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Brütende Schleiereule: www.lechnerdesign.de
Gelege Schleiereule: www.lechnerdesign.de
Herzeule Schleiereule Tyto alba Lechnerdesign
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Die Schleiereule oder "Herzeule"

Schleiereule
Wissenschaftlicher Name: Tyto alba

Verbreitung und Vorkommen

Die Schleiereule ist die am weitesten verbreitete Eulenart. Sie ist in Südasien, Afrika, Nord- und Südamerika und Australien durch zahlreiche Unterarten vertreten. In Europa kommen die Unterarten Tyto alba alba und Tyto alba guttata vor.

Besondere Merkmale


Die Schleiereule hat ihren deutschen Namen wegen des auffällig herzförmigen und hellen Gesichtsschleiers. Er hebt sich vom übrigen meist ockergelben Gefieder ab. Bei der Schleiereule fallen weiterhin die kleinen schwarzen Augen und die langen Beinen auf.

Die Schleiereule ist gut taubengroß, wirkt sehr hell (ein gutes Unterscheidungsmerkmal im Flug!) und wiegt je nach Geschlecht und Alter rund 350 Gramm. Weibchen sind in der Regel etwas größer und schwerer. Meist ist auch ihr Bauchgefieder dunkler gefärbt.

alba oder guttata?
Die Unterart Tyto alba alba hat einen weißen Brust-Bauchbereich, auch ohne dunkle Tupfer. Sie findet man vorwiegend in England.
Tyto alba guttata hat einen rostfarbenen bis beigen Brust-Bauchbereich mit dunklen Tropfenflecken.

Eulengeheule

Schleiereulen verfügen über ein umfangreiches Lautrepertoire. Dabei hört man meist nur die lauten Töne.

Reviergesang
Auffällig ist der Reviergesang. Ein heiseres schnurrendes gedehntes "chrüüüüh", das auch gern während des Fluges ausgestoßen wird.
 Beide Geschlechter rufen.

Bettelschnarchen
Jungvögel lassen ein Bettelschnarchen hören, wenn sie hungrig sind.

Futterlaut - Essen kommt
Sowohl Männchen als auch Weibchen geben bei Nahrungsanlieferung oder bei Nahrungstransport mit dem Schnabel einen charakteristischen Laut aus, der wie ein "tititititi" klingt. Mit diesem Laut kündigt das Weibchen ihren Küken die Futterangabe an. Die Küken antworten dann mit Bettelschnarchen. Das Weibchen gibt den Futterlaut auch während der Brut auf den Eiern ab, auch wenn die Küken noch nicht geschlüpft sind.

Balzrufe
Während der Balz verfolgt sich das Eulenpaar, was eher an einen Kampf erinnert. Dabei stoßen beide Tiere laute Schreie aus, die jedem Krimi den nötigen Gruselfaktor geben könnten.

Werberuf des Männchens im Nistkasten
Das Männchen sucht einen Nistkasten aus und lockt das Weibchen mit Futter und einem lauten Dauerschnarr-Ruf zur Paarung. Er unterstützt seinen Werbegesang durch rythmisches Fußstapfen und Mäuse-Werbegeschenke.

Laute bei der gegenseitigen Körperpflege
In der Balzzeit sitzt das Paar beieinander und pflegt sich das Gefieder. Besonders der Kopfbereich wird intensiv mit dem Schnabel durchkämmt. Dabei "zwitschert" der Vogel, der gekrault wird, mehr oder weniger laut. Offenbar sind Schleiereulen besonders rund um den Ohrbereich kitzelig.

Begrüßunglaute und Entdeckungslaute
Zur Begrüßung oder Kontaktaufnahme ertönt ein leises "triiii", das so viel heißt wie: Hallo bist Du da? Das Männchen ruft z.B. so das Weibchen, bevor er dieses im Nistkasten besucht. Schleiereulen sind sehr neugiereig und erkunden gerne ihre Umgebung. Hierbei geht das Paar auch zusammen auf Entdeckungstour und unterhält sich mit wechselseitig erklingenden triii-triiis.

Verhalten 


Bei uns streng nachtaktiv. Fliegt geräuschlos und jagt im Suchflug oder vom Ansitz aus Feldmäuse (Microtus arvalis) und andere Mäuse bis zur Größe einer halbwüchsigen Ratte. Ebenso können Spitzmäuse einen wichtigen Teil ihrer Beute ausmachen. Seltener werden Vögel, Frösche und Insekten gejagt.

Nahrung

Die Schleiereule ernährt sich vorwiegend von Nagetieren wie Mäuse, Wühlmäuse und Spitzmäuse. Es können auch kleine Vögel oder Insekten bejagt werden.

Lebensraum

Die Schleiereule ist ein Charaktervogel des ländlichen Raumes. Schon im Mittelalter hat sie die „traditionelle“ bäuerliche Landwirtschaft mit den angrenzenden Dörfern und Gehöften für sich entdeckt. Wo auf den Feldern Hecken, Grünflächen, Feuchtstellen, Stein– und Totholzhaufen sowie krautreiche Wegränder sich abwechseln, wartet auf die Eule ein reich gedeckter Tisch. In unseren Breiten stehen Feldmäuse ganz oben auf ihrer Beuteliste.

Trotz ihrer hohen Anpassungsfähigkeit leidet die Schleiereule, wie viele andere Tier- und Pflanzenarten der freien Feldflur auch, unter den drastisch veränderten landwirtschaftlichen Bewirtschaftungsweisen, vor allem in Ostdeutschland. Ihre Beute wird knapper und ist im Raps- oder Maisfeld schwer aufzuspüren. Regelmäßig beweidete und gemähte Futterflächen, auf denen sich die kleinen Nager aufhalten und für die Eulen leicht erreichbar sind, werden immer seltener.

Nistmöglichkeiten

Verlust von Nistmöglichkeiten
Die natürlichen Brutplätze der Schleiereulen sind zurückgegangen. Durch die notwendigen Sanierungen und Umbauten an Kirchen und Scheunen wurden Nischen, Löcher und andere Öffnungen im Mauerwerk, im Glockenstuhl oder an Dächern werden verfüllt, fest verschlossen oder versperrt. Tauben konnten so nicht mehr dort hinein, die Schleiereule aber auch nicht. 

Nistkästen 

Die großen Schleiereulen-Nistkästen können in (Feld-) Scheunen, Getreidespeichern, Viehanlagen und anderen landwirtschaftlich genutzten Gebäuden sowie in Dachböden, Transformatorenhäuschen und ähnlichen Gebäuden mit günstiger Lage angebracht werden. In den landwirtschaftlichen Gebäuden kann ohne Einschränkung weiter gearbeitet werden. 

Speziell angefertigte Nistkästen können Abhilfe schaffen indem man die Kästen direkt hinter der Einflugöffnung anbringt. So bleibt der Innenraum des Gebäudes von Kot und anderem Schmutz verschont. Ein wichtiges Argument gegen die Schleiereulen wird damit ausgeräumt. Allerdings fehlt den JUngeulen in den Nistkästen der Raum, um virtuelle Mäusespünge zu trainieren. So verlassen die JUngeulen praktisch untrainiert ihren Nistkasten und müssen schnellstmöglich fit werden.

Bezug alter Trafohäuschen in Deutschland
Zunehmend gewinnen in Deutschland nicht mehr in Betrieb befindliche Transformatorenhäuschen als Eulenquartier an Bedeutung. Da sie vom Menschen nicht mehr aufgesucht werden und sich nicht selten an Ortsrandlagen befinden, sind sie für den Schutz der Schleiereulen nahezu ideal.

Bezug Nisthäuser und Nisttürme in Großbritannien
In Großbritannien werden im Rahmen des Artenschutz an Feldrändern kleine Häuser aus Stein gebaut, die sowohl Eulen, als auch Fledermäusen udn Insekten eine Wohnstätte bieten.
Eine neue Variante sind die großen Nisttürme aus Holz, die an einen Jägeransitz erinnern. Hier ist sicherlich für de Entwicklung der Schleiereulen genügend Platz geboten, den ein herkömmlicher Nistkasten nicht leisten kann. Allerdings muss hier darauf geachtet werden, das Beutegreifer wie der Steinmarder, keinen Zugang zu dem Nistturm bekommen.
Anregungen zur Nutzung von verschiedenen Schleiereulen-Kästen für den Innenraum, den Aussenraum und in verschiedenen Größen findet man z.B: auf der britischen Homepage: www.barnowl.co.uk

Brut

Natürliche Brutplätze in Höhlen sind in Mitteleuropa die Ausnahme. Meist brütet die Schleiereule in Gebäuden, zum Beispiel Kirchtürmen, Schlössern, Ruinen oder Scheunen. Die drei bis zwölf im Abstand von etwa zwei Tagen gelegten Eier werden etwa 30 Tage lang vom Weibchen bebrütet. Es beginnt bereits vom ersten Ei an zu brüten, sodass die Jungvögel mit den Legeabständen schlüpfen. Das Weibchen brütet und hudert allein, bis zum Alter des Jüngsten von ca. drei Wochen bringt allein das Männchen die Nahrung herbei. Die ungleich großen Jungvögel sind nach etwa zwei Monaten flügge. Die Jungvögel wechseln aus ihrem Daunenkleid direkt in das Gefieder der erwachsenen Tiere.
Junge Schleiereulen beginnen ab dem 31. Lebenstag ihre Jagdtechniken zu üben. In einer morgendlichen und abendlichen Aktivitätsphase laufen sie – sofern der Brutort dafür ausreichend Platz bietet – bis zu zwei Meter umher und trainieren „Mäuselsprünge“. Ab dem 39. Lebenstag nimmt der Aktivitätsdrang noch weiter zu.
Bei optimalen Brutorten wie beispielsweise einer Scheune oder dem Dachboden eines Kirchturms verlassen sie über Stunden den engeren Brutraum und erkunden ihren unmittelbaren Lebensraum. Ab dem 44. Lebenstag trainieren sie rund zwei Meter weite Flattersprünge.
Erkennen Sie die jungen Eulen?

Wanderungsbewegungen der Jungvögel

Im Herbst wandern die Jungvögel ab; Ringfundauswertungen zeigen, dass etwa zwei Drittel aller Wanderungsbewegungen innerhalb eines Radius von 50 km um den Geburtsort enden. Die Wanderungen können jedoch auch erheblich weiter führen. In Baden-Württemberg beringte Vögel wurden noch im ersten Lebensjahr beispielsweise an der holländischen Küste, in Südfrankreich oder in Spanien wieder aufgefunden. Zu sehr starken Wanderungsbewegungen kommt es immer dann, wenn sehr hohe Schleiereulen-Bestände mit einem Zusammenbruch der Feldmaus-Population zusammentreffen. In Jahren, in denen sich Feldmäuse sehr stark vermehren (Gradation), siedeln sich die Jungvögel in nächster Nähe zu den Elterntieren an.

Viele Mäuse = viele Eulen

Die Schleiereule zeigt auffällige Bestandesschwankungen. Je nach Nahrungsangebot paßt sie sich in ihrer Ernährung und in ihrer Fortplanzung den aktuellen Gegebenheiten an. In manchen Jahren bleibt der Brutplatz verwaist. Es gibt dann nicht genügend Feldmäuse, um die ganze Familie zu ernähren. Die Schleiereulen weichen dann auch auf andere Beutetiere aus. Insbesondere werden dann Spitzmäuse gejagt. Alle drei bis vier Jahre vermehren sich die Feldmäuse explosionsartig. Solche Extreme nutzt die Schleiereule, legt viele Eier und brütet bis zu dreimal im Jahr. So versucht sie schlechte Jahre oder auch im Jahreslauf auftretende Verluste bei den Jungen zu kompensieren.

Gefahren

Der Verkehr - eine todbringende Gefahr
Schleiereulen jagen gern entlang der Straßenböschungen bzw. ihrer grünen Randstreifen. Durch den Ausbau der Straßen zu schnellen Trassen und durch die Asphaltierung von Wegen selbst in den entlegendsten ländlichen Gebieten, fordert der dort zunehmende Straßenverkehr immer mehr Opfer.

Nagergifte
Gifte gegen Mäuse und Ratten schaden auch den Schleiereulen. Viele nagerfressende Tierarten sterben den Gifttod. Es wäre wünschenswert, wenn die Schleiereulen als biologischer Nagervertilger genutzt werden könnte. In Californien gibt es hierz bereits Maßnahmen, indem man entlang von landwirtschaftlich bewirtschafteten Flächen Schliereulen Kästen anbringt.

Mensch und Schleiereule

Als Jäger von Mäusen und Ratten wird die Schleiereule vielerorts in Mitteleuropa von Landwirten geschätzt. Traditionell gebaute Scheunen und Ställe haben deshalb in vielen Regionen sogenannte Eulentüren oder Eulenlöcher (Uhlenloch oder Uhlenflucht), die den Vögeln Zugang zu geeigneten Brutplätzen bieten.
Mit dem jahrtausendelangen Kulturfolger verbindet sich jedoch auch viel Aberglaube. Eine an die Scheunentür genagelte Eule soll Unheil vom Hof abwenden und ihn vor Blitzeinschlag und Feuer schützen. Ihr Ruf kündigt in manchen Regionen den Tod an, in anderen Regionen weist Eulengeschrei auch auf eine bevorstehende Geburt.
Der Aberglaube differenziert dabei meistens nicht zwischen den einzelnen Eulenarten. Da die Schleiereule mit ihrem bevorzugten Brutplatz in Scheunen, Ställen, Ruinen und Kirchtürmen als Art jedoch in der größten Nähe zum Menschen lebt, war bzw. ist sie in abergläubische Rituale am ehesten involviert.
Das hochpräzise akustische Ortungssystem der Schleiereule dient in der Forschung als Modellsystem für das Richtungshören. Die Schleiereule war in Deutschland im Jahre 1977 Vogel des Jahres. Außerdem ist die Schleiereule das Wappentier der Universität des Saarlandes.

Schleiereule und Landwirtschaft

Hohe Reproduktionsrate = Verzehr vieler Mäuse
Schleiereulen ernähren sich vorwiegend von kleinen Nagetieren wie Hausmäuse oder Spitzmäusen, die sie am Stück hinabwürgen können. Daher wird die Schleiereule in Großbritannien und in Californien gezielt an landwirtschaftlichen Flächen angesiedelt, um den Nagerbestand zu reduzieren. Die Schleiereulen ist eine der wenigen Eulenarten mit hoher Reproduktionsrate. In guten Mäusejahren können bis zu 3 Bruten im Jahr mit 5-12 Küken stattfinden. Eine dreiwöchige Jungeule frißt bereits 3 – 4 Mäuse am Tag. Das macht inklusive der Eltern und einer durchschnittlichen Gelegegröße von 7 Jungen am Tag 36 Mäuse. Für Regentage oder Notzeiten jagen die Schleiereulen zudem auf Vorrat. Und das im ganzen Jahr.

Tod der Eulen durch Nagergifte
Der Vorteil der Mäusejagd wird der Schleiereule aber vielerorts zum Verhängnis. Viele Tiere sterben elend an Nagergiften. Daher gibt es in Großbritannien eine Petition zum Verzicht auf Nagergifte in der Landwirtschaft, zum Schutz der Schleiereule und der vielen anderen mäusefressenden Tierarten.

Schleiereule als natürlicher "Nagervernichter"
Parallel wird an Konzepten gearbeitet, die Schleiereule als natürlichen "Nagervernichter" einzusetzen, um Schäden in der Landwirtschaft abzuwenden. Für diese Idee setzt sich auch der Verlag Herzeule ein. Gerne arbeiten wir mit an Konzepten, die Idee umzusetzten oder zu erforschen.

Anregungen zur Nutzung von Schleiereulen-Kästen für den Innenraum, den Aussenraum und in verschiedenen Größen findet man z.B: auf der britischen Homepage: www.barnowl.co.uk

Schleiereulenkästen finden Sie auch bei: www.naturschutzbedarf-strobel.de

Schleiereule in der Wissenschaft

Wissenschaftler des Biologischen Instituts der RWTH Aachen untersuchen die Fähigkeiten der Eule und übertragen ihre Ergebnisse auf technische Anwendungen. Bionik nennt man diese Wissenschaft.

 „Schleiereulen sind perfekte Nachtjäger“, sagt Prof. Wagner. „Sie fliegen nahezu lautlos, können zehnmal leisere Geräusche hören als wir und diese zudem präzise orten.“
In Experimenten erforschen die Aachener Wissenschaftler an und mit Schleiereulen die Schall-Lokalisation sowie den lautlosen Flug.

www.rwth-aachen.de

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